Harte Zeiten für den Weihnachtsmann
Bescherung für schwierige Kinder
INNENSTADT Aufsagen mag Angelo nichts, singen auch nicht, und das Bedanken ist seine Sache nicht. Das Geschenk nimmt er aber gern, er trägt es stolz zu seinem Platz, selbst der Inhalt scheint ihm zu behagen: die Augen leuchten. Das muss genügen: Dem Kakao und dem Stollen sprechen die 16 Kinder im weihnachtlich geschmückten Speisesaal des Steigenberger-Hotels Sanssouci ordentlich zu, mit einem „Danke!“ der Kinder dürfen Marketingdirektorin Manuela Völske und ihre Helferinnen aber nicht rechnen. Das übernehmen die Betreuer – wie Christian Groß, Leiter der Tagesgruppe der Awo: „Die Kinder kommen aus schwierigen Familien, die meisten haben eine traumatische Vorgeschichte und Verhaltensstörungen. Viele waren im Hort nicht mehr tragbar, aber in festen, kleinen Strukturen wie unseren Gruppen kommen sie erstaunlich gut klar“, sagt er. Das gilt auch für die Schützlinge des Jugendhilfeverbandes, die ebenfalls teilnehmen. Seit vier Jahren organisiert das Steigenberger diese Nachmittag: Die Kinder schreiben Wünsche auf Postkarten, Hotelgäste und Potsdamer pflücken diese vom Weihnachtsbaum, kaufen ein, und geben die Geschenke – Schminksets, Fußbälle, Schwimmbrillen und ferngelenkte Autos – an der Rezeption ab. Obschon das Steigenberger bei übrig bleibenden Kärtchen einspränge, war das nie nötig: Alle Wünsche wurden bislang erfüllt. Da hat es der Weihnachtsmann schon schwerer: Als Autoritätsperson muss er eine Menge Aggression aushalten. Doch er nimmt es natürlich mit Humor: „Hier bin ich immer nur Weihnachtsmann-light“.
Erschienen am 18.12.2007